2000

Die Donau

Ein Strom schreibt Geschichte

Die Donau ist der zweitgrößte Fluss Europas, übertroffen wird sie nur von der Wolga. Sie verbindet Mittel- mit Südosteuropa. Ihre Gesamt-länge beträgt 2.888 km bis zur Mündung des mittleren der drei Hauptarme in das Schwarze Meer, schiffbar ab Regensburg sind insge-samt 2.379 km.

Bedingt durch ihre zentrale Lage wurde die Donau durch Jahrhunderte zu einem Spiegelbild europäischer Geschichte im ständigen Wechsel zwischen Krieg und Frieden. Ihre natürlichen Hindernisse mit Strom-schnellen und Katarakten bildeten jahrhundertelang eine unüberwind-liche Barriere wie z.B. das Eiserne Tor, an dem selbst der kriegserfahrene Perserkönig Darius mit seinem gewaltigen auf 700 Transportschiffen verladenen Heer scheiterte.

Die Römer befuhren dann mit ihren kleinen und schnellen Schiffen, den Liburnen, den Strom abwärts bis zum Eisernen Tor. Bergwärts zogen Pferde oder Sklaven die Schiffe. Eine Fortbewegungsart, die durch Jahr-hunderte gleichbleiben sollte. Die Wege entlang der Ufer (später Treppel-wege genannt) für die tierischen oder menschlichen Zugkräfte bestimmt, wurden schon durch die Römer stets vorbildlich instandgehalten. Während der Völkerwanderungszeit dürfte dies weniger der Fall gewesen sein.

Erst mit der Landnahme durch die Ungarn unter ihrem König Arpad er-folgte eine Wiederbelebung der Donauschifffahrt.

 

Unter Mathias Corvinus scheint zum ersten Mal eine ungarische Kriegs-schiffsorganisation mit schmalen niedrigen Ruderbooten auf.

Die erste kaiserliche Flotte auf der Donau trat nach der Schlacht von Mohács (1526) in Erscheinung, als der Habsburger Ferdinand I mit der Stephanskrone Ungarns die Königs-würde übernahm.

Ab 1696 ging von Regensburg all-wöchentlich ein sog. "Ordinarischiff" bis nach Wien.

Stromabwärts ging es immer mit der Strömung, flussaufwärts wurden die Schiffe gezogen. Die großen Schiffszüge, denen bis zu 60 Pferde vorgespannt wurden, bestanden oft aus 3-4 Lastschiffen und mehreren Nebenschiffen.

 

Zu diesen Nebenschiffen gehörten auch 2-3 Einstellplätten, mit denen die Pferde auf die andere Stromseite ge-bracht wurden, wenn ein Uferwechsel notwendig war.


1818 fuhr das erste Dampfschiff, die "Carolina" auf der Donau. Am 4. September 1830 fand die erste Dampferfahrt von Wien nach Budapest mit "Franz I" statt (ca. 300 km, Talfahrt 14 h 15 min; Bergfahrt 48 h 20 min).

Am 13. März 1829 erfolgte die Gründung der Ersten privilegier-ten Donau-Dampfschiffahrts-Gesell-schaft (DDSG). Ab 1841 verkehrten Dampfer bereits fahrplanmäßig jeden zweiten Tag von Linz nach Wien, täglich Wien-Budapest und jeden 4. Tag von Budapest über Semlin nach Drevcora. 1844 besaß die DDSG bereits 28 Dampfer.

1849 schuf Feldmarschall Radetzky am Lago Maggiore, Comersee und Gardasee ein selbständiges Flottillenkorps in Italien. 1850 erfolgte die Aufstellung einer eigenen Abteilung auf der Donau, mit Stützpunkt in Budapest. 1851 wurde eine Neuorganisation der Donauflottille befohlen.

1854-1855 rückten österreichische Truppen mit Einverständnis der Türkei in die Donau­fürstentümer Moldau und Walachei ein. Wegen Fahrzeugmangel bei der Donauflottille mußten von der DDSG 12 Dampfer für Truppen- und Versor-gungstransporte angemietet werden.

1856 legte der Krimkrieg den Verkehr auf der Unteren Donau fast lahm. Wegen dauernd anhaltender finanzieller Proble-me in der österreichischen Staatskasse wurde die Donauflottille 1865 aufgelöst und aus falsch verstandenem Sparsinn an die DDSG verkauft.

 

1869 wurde jedoch die Neuaufstellung der Donauflottille angeordnet. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Beherr-schung der Donau und ihrer schiffbaren Nebenflüsse. 1871 liefen die ersten Donau-Monitore von Stapel.

1878 unterstützten die beiden Monitore die Heerestruppen auf der Save bei der Besetzung Bosniens und der Herzegowina.


Anno 1880 war das 50. Betriebsjahr der DDSG. Diese war nun mit einem Fahrzeugstand von 188 Dampfern, 750 Schleppkähnen und 100 Spezialfahr-zeugen, mit eigenen Werften, eigenen Häfen und eigenen Kohlengruben samt Eisenbahnlinie das größte Flussschiff-fahrtsunternehmen der Welt geworden.

1894 erfolgte die Gründung der "Königlich ungarischen Fluß- und Seeschiffahrts AG (MFTR)", die mit einer Subventionszusage der ungarischen Regierung zum größten Konkurrenten der DDSG wurde. Beide Gesellschaften einigten sich schließlich vertraglich.

Serbische Extremisten ermordeten in Sarajevo am 28. Juni 1914 den Thron-folger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin. Am 23. Juli wurde das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien überreicht, unter gleichzeitiger Mobilisierung der gesamten Donauflot-tille. Am 28. Juli 1914 erfolgte die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien.

Am 11. August 1914 begannen die ersten größeren Kampfhandlungen der k.u.k. Monitoren an der Save.  

Die Sonderausstellung

In der Sonderausstellung zeigen wir die gesamte k.u.k. Donauflottille sowie den bewaffneten Dampfer "Samson" und das Stabsschiff "Hebe" mit Modellen im Maßstab 1:200.

Nachdem die 11. deutsche und die 3. öst.-ung. Armee den Übergang über Donau und Save erzwungen hatten, wurde Belgrad mit entscheidender Unter-stützung durch die k.u.k. Donauflottille besetzt (11. Oktober 1915).

Am 28. August 1916 erklärte Rumänien Österreich-Ungarn den Krieg. Die k.u.k. Donauflottille beschoss den Hafen von Giurgiu. Die Zerstörung der rumänischen Schiffsbrücke bei Rjahovo erfolgte am 2. Oktober durch Einheiten der Donauflottille wodurch der Donauüber-gang der III. rumänischen Armee in den Rücken der eigenen Kräfte verhindert wurde. Im Gegenzug sicherten am 23. November starke Kräfte der Donau-flottille den Donauübergang eigener Truppen bei Sistow und half bei der Einnahme des rumänischen Hafens Giurgiu.

1917 wurde der rumänische Brückenkopf Braila in Zusammenarbeit mit der Dobrudscha Armee erobert.

Ab 13. Oktober 1918 begann der Rückzug der Donauflottille nach Budapest, von wo die deutschsprachigen Besatzungsmit-glieder mit der "Hebe" und der "Franz Ferdinand" nach Wien weiter fuhren

Am 12. November 1918 wurde die Republik Österreich ausgerufen, womit die k.u.k. Donauflottille zu bestehen aufhörte.