2005

Krieg an der Wand

Die Straße über den San Boldo

Krieg an der Wand

 

Am Anfang standen einfach gedruckte behördliche Anordnungen und Ankün-digungen besonderer Ereignisse. Es dauerte lange, bis das Plakat im Laufe des 19. Jahrhunderts daneben auch zum bedeutendsten Werbeträger geworden war. Ab dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Radio diese Rolle, um sie in den 1970er Jahren an das Fernsehen weiterzugeben.

Im Ersten Weltkrieg erreichte der Einsatz von Plakaten seinen Höhepunkt.

  • Noch nie zuvor waren derartige Menschenmassen aufgeboten worden.

  • Noch nie zuvor erfasste ein Krieg die gesamte Wirtschaft und das gesamte zivile Leben.

  • Noch nie zuvor wurde mit dem massenhaften Einsatz von Maschinen-gewehren, schwerster Artillerie, Giftgas, Kraftfahrzeugen, Flugzeugen, Panzern und U-Booten das Töten gleichsam „industrialisiert“.

  • Und noch nie zuvor wurde gezielt und geplant psychologische Kriegsführung betrieben.

In jedem Krieg führenden Land war das Plakat das Massenmedium schlechthin. 

Die Anschlagflächen waren umringt von Menschen, die

  • Einberufungskundmachungen,

  • Lebensmittelverordnungen,

  • Ankündigungen von Benefizvorstellungen für Witwen und Waisen,

  • Frontberichte und Werbung für Kriegsanleihen

lasen.

Es waren Plakate, auf denen die Fratze des Feindes der eigenen Glorie gegenüber gestellt wurde.

Plakate dienten damit immer zwei Auf-gaben: der Information und der Agitation. Sie sind erstrangige historische Quellen, aber immer auch ein künstlerisches Ausdrucksmittel. In allen Ländern wurden beste Künstler verpflichtet. Ihre Plakate waren Informationsmedien, Propagandain-strumente und Kunstwerke in einem.

Die Sonderausstellung 2005 spannt den Bogen von einer kurzen Geschichte des Plakates über die Ermordung des österreichischen Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 bis zum Zusammenbruch Österreich-Ungarns und Deutschlands im November 1918.

Für das Jahr 2008 ist eine Fortsetzung über die politischen Folgen des Ersten Weltkrieges von 1918 bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 in Vorbereitung.

"Die Straße über den

Passo San Boldo"

Ausstellung der A.N.A. im Rahmen eines INTERREG IIIA-Projekts

Der Saumweg über den Passo San Boldo diente seit Alters her einem bescheidenen Warenaustausch.

Als nach der 12. Isonzoschlacht im Oktober 1917 die Verbündeten ö.u. und deutschen Truppen bis an den Piave vordrangen, blieb der Fluss bis zum Zusammenbruch im Herbst 1918 trennende vorderste Frontlinie.

Die logistische Lage gestaltete sich für die ö.u. Einheiten in Folge des Mangels an geeigneten leistungsfähigen Nachschubverbindungen immer schwieriger.

Deshalb entschied man sich, den bisherigen Saumweg von der Gemeinde Cison di Valmarino über den Passo San Boldo auszubauen.

 

Die Straßenarbeiten begannen am 1. Februar 1918 und konnten nach 9 Wochen beendet werden.

Zeitweise standen bis zu 7.000 Soldaten, zivile Arbeitskräfte und Kriegsgefangene hier im Einsatz. Sie vollbrachten eine einzigartige technische Großleistung ganz besonderer Art.

 

Das schwierigste Bauvorhaben war die Felswand im Val San Boldo, die nur durch den Bau von fünf Kehrtunnels auch für den Wagenverkehr erschlossen werden konnte.

Im Oktober 1918 wurde die Straße über den Passo San Boldo für viele Österreicher die letzte noch offene Verbindung, um den Marsch in die Heimat anzutreten und der Gefangenschaft zu entgehen.

Nur wenige Monate nach der Fertigstellung sprengten die letzten Österreicher vor den nachdrängenden Italienern Teile der Straße.

Die italienische Armee erschloss bald danach den Passo San Boldo wieder für den Verkehr.

Diorama der Ausstellung, russischer und serbischer Kriegsgefangener, Sammlung Dr. Erik F. J. Eybl